DPAM Kommentar von Thomas Timmermann vom 12.10.2026
- Markt für Schwellenländer-Unternehmensanleihen seit 2002 verzehnfacht auf USD 2,6 Bio.
- Steigender Anteil der mit A oder besser bewerteten Emittenten (40 % im Juli 2026)
- Mehrere Diversifikationsebenen in einer Assetklasse; anhaltende Bewertungsineffizienzen
Der Markt für Schwellenländer-Unternehmensanleihen hat heute ein Volumen von 2,6 Billionen US-Dollar und übertrifft sowohl den globalen Hochzinsanleihenmarkt als auch das Segment der Hartwährungsstaatsanleihen aus Schwellenländern.
Trotz solider Fundamentaldaten und niedriger Verschuldungsquoten bieten diese Anleihen weiterhin einen attraktiven Renditeaufschlag gegenüber vergleichbaren Emittenten aus Industrieländern. Die Kreditqualität verbessert sich kontinuierlich: Der Anteil der mit A oder besser bewerteten Emittenten stieg von 31 % im Jahr 2020 auf 40 % im Juli 2026. Die Ausfallrate liegt 2026 bei bisher 2,7 %, wobei drei Viertel des Ausfallvolumens auf lediglich zwei Emittenten entfallen.
EM-Unternehmensanleihen bieten höhere Renditen mit einer in der Regel kürzeren Duration als viele Rentensegmente in den Industrieländern. Dadurch können Anleger attraktive laufende Erträge vereinnahmen und zugleich ihre Anfälligkeit gegenüber Zinsschwankungen begrenzen. Zudem ist der Markt für EM-Unternehmensanleihen ineffizient. Trotz seiner Größe wird die Anlageklasse vergleichsweise wenig analysiert und ist in vielen Portfolios unterrepräsentiert. Daraus ergeben sich anhaltende Bewertungsineffizienzen.
Vom Nischenmarkt zur globalen Anlageklasse
Wenn Investoren an Rentenanlagen denken, richtet sich ihr Blick häufig auf Staatsanleihen aus Industrieländern, Investment-Grade-Anleihen oder Hochzinsanleihen. Unternehmensanleihen aus Schwellenländern hingegen bleiben im Vergleich dazu ein bislang relativ wenig erschlossenes Segment der globalen Anleihemärkte. In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben sich die Schwellenländer zu einer immer wichtigeren Triebkraft des globalen Wirtschaftswachstums entwickelt. Ihr Anteil an der weltweiten Wirtschaftsleistung, am Konsum, an Infrastrukturinvestitionen und an Innovationen steigt kontinuierlich. Prognosen von S&P zufolge werden bis 2035 rund 65 % des globalen Wirtschaftswachstums auf Schwellenländer entfallen. Dennoch investieren viele Anleger in diese Volkswirtschaften nach wie vor hauptsächlich über Aktien oder Staatsanleihen und übersehen dabei die Unternehmen, die diesen Wandel maßgeblich vorantreiben.
Seit seiner Entstehung im Jahr 2002 ist das Universum der auf Hartwährungen lautenden Unternehmensanleihen aus Schwellenländern von 260 Milliarden US-Dollar auf rund 2,6 Billionen US-Dollar gewachsen. Damit ist es heute größer als mehrere traditionelle Rentenmarktsegmente, darunter der gesamte Hochzinsanleihenmarkt sowie das Segment der auf Hartwährungen lautenden Staatsanleihen aus Schwellenländern. Dieses Wachstum ging mit einer breiteren Investorenbasis, einer verbesserten Liquidität und einer deutlich höheren Emittentenvielfalt einher. Das heutige Anlageuniversum umfasst rund 750 Emittenten aus 68 Ländern in Lateinamerika, Asien, dem Nahen Osten, Afrika und den Schwellenländern Europas. Die Anlageklasse bietet mehrere Diversifikationsebenen über Regionen, Sektoren, Bonitätsprofile und unternehmensspezifische Wachstumstreiber hinweg. Dieses breite Anlageuniversum ermöglicht es aktiven Managern, gezielt attraktive risikobereinigte Renditen zu erschließen und dabei überzeugende Bewertungen mit wirksamen Diversifikationsvorteilen zu kombinieren.
Attraktive Renditen ohne übermäßiges Risiko
Neben den Diversifikationsvorteilen zeichnen sich Unternehmensanleihen aus Schwellenländern durch solide Fundamentaldaten aus. Im Durchschnitt weisen die Emittenten niedrigere Verschuldungsquoten und konservativere Bilanzen auf als ihre Pendants in den Industrieländern. Dies spiegelt jahrelange finanzielle Disziplin wider, auch nach den Herausforderungen durch die Corona-Pandemie, die Inflation und das restriktivere geldpolitische Umfeld. Trotz dieser soliden Kreditprofile bieten EM-Unternehmensanleihen weiterhin einen attraktiven Renditeaufschlag gegenüber vergleichbaren Emittenten aus den Industrieländern. Dieser Aufschlag ist häufig eher auf die allgemeine Wahrnehmung der Schwellenländer durch Investoren als auf unternehmensspezifische Risiken zurückzuführen. Dadurch ergeben sich Möglichkeiten, zusätzliche Erträge zu erzielen, ohne zwangsläufig Abstriche bei der Kreditqualität machen zu müssen.
Der positive Trend bei der Kreditqualität zeigt sich deutlich in der heutigen Zusammensetzung des Index. Der Anteil der mit A oder besser bewerteten Emittenten stieg von 31 % im Jahr 2020 auf 40 % im Juli 2026. Gleichzeitig sank der Anteil der mit BB bewerteten Emittenten von 18 % auf 14 %, während B-geratete Emittenten nur noch 6 % des Index ausmachten, verglichen mit 9 % zuvor. Obwohl diese Anlageklasse oft als risikoreicher wahrgenommen wird als ihre Pendants aus den Industrieländern, zeichnet die Datenlage ein differenzierteres Bild zu den Ausfallraten.
Seit Jahresbeginn liegt die Ausfallrate bei 2,7 %, für das Gesamtjahr wird ein Wert von rund 3,1 % erwartet. Auf den ersten Blick mag dies im Vergleich zu den US-amerikanischen und europäischen Kreditmärkten erhöht erscheinen. Allerdings entfallen 75 % des Ausfallvolumens auf lediglich zwei Emittenten, Raízen und Braskem. Vor dem Hintergrund der zuvor genannten Faktoren sind wir der Ansicht, dass sich der Trend zu niedrigeren Ausfallraten fortsetzen kann. Schließlich ist die erwartete Emissionswelle im Zusammenhang mit Investitionen von Hyperscalern und Rechenzentren vor allem ein Phänomen der Industrieländer und dürfte für Unternehmensanleihen aus Schwellenländern nur begrenzte Auswirkungen haben.
EM-Indizes sind weniger anfällig für die technische Spreadausweitung, die häufig mit einem starken Anstieg des Anleiheangebots einhergeht. Da das Emissionsvolumen geordnet bleibt und die Investorennachfrage weiterhin eine solide Unterstützung bietet, ist die Anlageklasse gut positioniert, um ein vergleichsweise stabiles Spreadniveau aufrechtzuerhalten.
Warum gerade jetzt EM-Unternehmensanleihen?
Zugegeben: Die Kreditspreads sind im Vergleich zu ihren historischen Durchschnittswerten und einigen traditionellen Rentenmarktsegmenten eng. Dennoch sehen wir drei überzeugende Gründe, EM-Unternehmensanleihen weiterhin positiv zu beurteilen. Erstens bietet die Anlageklasse ein außergewöhnliches Diversifizierungspotenzial. Mit Hunderten von Emittenten aus Dutzenden Ländern und unterschiedlichsten Sektoren können Investoren Portfolios aufbauen, die weniger von einzelnen Volkswirtschaften, Branchen oder geopolitischen Entwicklungen abhängig sind. Zweitens bieten EM-Unternehmensanleihen weiterhin attraktive Ertragschancen. Sie verbinden höhere Renditen mit einer in der Regel kürzeren Duration als viele Rentensegmente in den Industrieländern. Dadurch können Anleger attraktive laufende Erträge vereinnahmen und zugleich ihre Anfälligkeit gegenüber Zinsschwankungen begrenzen. Drittens bleibt der Markt für EM-Unternehmensanleihen strukturell ineffizient. Trotz seiner Größe wird die Anlageklasse nach wie vor vergleichsweise wenig analysiert und ist in vielen Portfolios unterrepräsentiert. Daraus ergeben sich anhaltende Bewertungsineffizienzen. Für aktive Manager schafft dies ein günstiges Umfeld für die gezielte Titelauswahl und die Generierung von Alpha. Insgesamt sind Unternehmensanleihen aus Schwellenländern längst kein Nischensegment mehr innerhalb des globalen Rentenuniversums. Sie haben sich zu einer großen, liquiden und breit diversifizierten Anlageklasse entwickelt, getragen von verbesserten Unternehmensfundamentaldaten und der wachsenden Bedeutung der Schwellenländer für das globale Wirtschaftswachstum. In einer Welt, in der viele traditionelle Rentenmärkte zunehmend ausgelastet und effizient erscheinen, gehören EM-Unternehmensanleihen zu den wenigen Segmenten, die Diversifikation, Qualität und Rendite in einer einzigen Allokation vereinen können. Allein deshalb verdienen sie die Aufmerksamkeit jedes Rentenanlegers.