Die private Altersvorsorge in Deutschland steht vor großen Veränderungen: Ab 2027 soll das neue Altersvorsorgedepot die Riester-Rente ergänzen oder in vielen Fällen ersetzen. Ziel ist es, die Altersvorsorge einfacher, günstiger und attraktiver zu machen, und zwar vor allem durch staatlich geförderte Investments in Fonds und ETFs.
Viele Sparer fragen sich jetzt: Lohnt sich das neue Modell für mich? Was passiert mit bestehenden Riester-Verträgen? Und worauf sollten Anleger achten? Hier finden Sie die fünf wichtigsten Fragen und Antworten rund um das neue Altersvorsorgedepot.
1. Was ist das Altersvorsorgedepot?
Das Altersvorsorgedepot ist eine neue, staatlich geförderte Form der privaten Altersvorsorge. Im Gegensatz zur klassischen Riester-Rente kann das angesparte Geld künftig stärker am Kapitalmarkt investiert werden, beispielsweise in ETFs oder Investmentfonds.
Der entscheidende Unterschied: Die bisherige Garantie, dass zum Rentenbeginn mindestens alle eingezahlten Beiträge und Zulagen erhalten bleiben müssen, entfällt. Dadurch eröffnen sich höhere Renditechancen und langfristig bessere Möglichkeiten für den Vermögensaufbau. Gleichzeitig bleibt das Altersvorsorgedepot klar reguliert, sodass spekulative und besonders riskante Anlagen ausgeschlossen sind.
2. Wie funktioniert die staatliche Förderung?
Die Förderung soll künftig deutlich einfacher und transparenter sein als bisher. Entscheidend ist nicht mehr das Einkommen, sondern vor allem, wie viel tatsächlich in die Altersvorsorge eingezahlt wird.
Geplant ist folgendes Fördermodell:
- Für die ersten 360 € Jahresbeitrag gibt der Staat 50 % als Zuschuss dazu.
- Für weitere Einzahlungen bis zu 1.800 € pro Jahr, also 150 € monatlich, gibt es eine Förderung von 25 %
- Insgesamt werden damit bis zu 540 € Grundzulage pro Jahr möglich.
- Zusätzlich sind Kinderzulagen (300 €) sowie ein einmaliger Bonus für Berufseinsteiger (200 €) vorgesehen.
Damit könnte das neue Altersvorsorgedepot besonders für jüngere Anleger und Familien attraktiver werden als viele bisherige Riester-Verträge.
3. Können bestehende Riester-Verträge übertragen werden?
Nach den aktuellen Plänen sollen bestehende Riester-Verträge ohne Verlust der bereits erhaltenen staatlichen Förderung in ein Altersvorsorgedepot übertragen werden können.
Das dürfte vor allem für Sparer interessant sein, die mit der Wertentwicklung ihres Vertrags unzufrieden sind oder vergleichsweise hohe Kosten zahlen. Dennoch ist ein Wechsel nicht in jedem Fall die beste Lösung. Wer einen älteren Riester-Vertrag mit günstigen Konditionen besitzt oder von hohen Zulagen profitiert, sollte die Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen, bevor er sich für einen Wechsel entscheidet.
4. Wie wird das Geld im Ruhestand, also in der Auszahlungsphase, ausgezahlt?
Auch bei der Auszahlung soll das neue Altersvorsorgedepot deutlich mehr Flexibilität bieten. Anleger sollen künftig selbst entscheiden können, wie sie ihr angespartes Kapital im Ruhestand nutzen möchten:
- eine lebenslange monatliche Rente oder
- ein Auszahlplan, bei dem das Vermögen über einen längeren Zeitraum schrittweise ausgezahlt wird.
Damit entfällt teilweise die bisherige Pflicht, das gesamte Kapital in eine Rentenversicherung umzuwandeln. Das kann die Kosten im Ruhestand senken und eröffnet mehr Spielraum für die individuelle Gestaltung der Altersvorsorge.
5. Für wen lohnt sich das Altersvorsorgedepot?
Das neue Modell dürfte vor allem für Menschen interessant sein, die:
- langfristig Vermögen für den Ruhestand aufbauen möchten,
- offen für Investitionen in ETFs und Investmentfonds sind,
- Wert auf niedrige Kosten legen und
- staatliche Förderung mit den Renditechancen des Kapitalmarkts verbinden möchten.
Besonders für jüngere Anleger könnte das Altersvorsorgedepot attraktiv sein. Durch den langen Anlagehorizont lassen sich Kursschwankungen an den Kapitalmärkten in der Regel besser ausgleichen, wodurch die Chancen auf einen höheren Vermögensaufbau steigen.
Dennoch gilt: Auch das Altersvorsorgedepot ist kein Selbstläufer. Ob sich das Modell tatsächlich lohnt, hängt maßgeblich von den Kosten der Anbieter und der Qualität der angebotenen Produkte ab. Wer sich frühzeitig informiert, kann die neuen Möglichkeiten besser einordnen und fundierte Entscheidungen für die eigene Altersvorsorge treffen.